Ernsthaft? Ernsthaft!

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jemand fragt, ob Sie sich mal Stimmen von Maikäferlarven anhören möchten? Mit genau dieser Frage habe ich letzte Woche Besucher beim Hessentag in Rüsselsheim angesprochen. Ich hatte dort die Möglichkeit zusammen mit vier meiner Feldmaikäferengerlinge, mein Projekt CH4ScarabDetect am Stand von ProLoewe im Rahmen des Schwerpunktes FACE2FACE den Hessentagsbesuchern zu präsentieren.

FACE2Face-Stand bei ProLoewe

Meine kleine Projekt-Präsentation auf dem Hessentag, …

Die Reaktion der Leute auf meine Frage verlief im Großen und Ganzen immer nach dem gleichen Schema. Erst erkundigte man sich, ob man die Frage richtig verstanden hatte. Dann ließ man sich versichern, dass das ganze kein Scherz ist („Sie wollen mich jetzt nicht veräppeln, oder?) und wer dann noch Interesse hatte, der kam auch zu meinem Stand und setzte sich die Kopfhörer auf.

Ansturm_FACE2FACE_Dr_Görres

…wo es zwischenzeitlich auch mal eng werden konnte.

Die Lautäußerungen von Engerlingen sind in keiner Weise mit den Stimmen vergleichbar wie man sie von Säugetieren kennt. Aber Engerlinge sind in der Lage absichtlich Laute zur Kommunikation im Boden von sich zu geben. Der Fachausdruck dafür ist Stridulation. Bei der Stridulation werden zwei bewegliche Körperteile gegeneinander gerieben, wodurch Laute erzeugt werden. Bei den Maikäferengerlingen werden die Mundwerkzeuge, die Mandibeln, gegeneinander gerieben. Man kann also sagen, sie unterhalten sich untereinander durch Zähne- und Kieferknirschen. Davon überzeugte sich unter anderem auch der hessische Kultusminister Alexander Lorz.

Kultusminister Lorz Hessentag 2017

Besuch des Kultusministers am ProLoewe-Stand.

Innerhalb des letzten Jahres habe ich schon unzählige Audioaufnahmen von Engerlingen im Boden gesammelt (dafür steckt man einfach ein Mikrofon in den Boden), aber ich habe keine Ahnung was die Engerlinge mit ihren Lauten bezwecken wollen. Für mich dienen die Audio-Aufnahmen derzeit in erster Linie dazu eine Methode zu entwickeln, um die Engerlinge im Boden einfacher zu finden, damit ich anschließend ihre Methanemissionen bestimmen kann. Wenn ich an den Punkt angekommen war, an dem ich den Besuchern erzählte, dass Engerlinge Methan genauso produzieren und abgeben können wie Kühe, kam meistens der zweite ungläubige Blick („Ernsthaft? Wie kommt man auf die Idee, sowas zu erforschen?“) Tja, auf diese Frage hatte ich nicht wirklich eine Antwort, aber es war definitiv keine Schnapsidee. Davon überzeugte sich auch die hessische Milchkönigin.

Milchkönigin Hessentag

Besuch der hessischen Milchkönigin, Sarah I.

Engerlinglauschen am Hessentag

Wenn Sie mal Engerlinge beim Fressen beobachten und belauschen möchten, oder mehr über Methanemissionen und Bodengase im Allgemeinen erfahren möchten, besuchen Sie mich morgen oder am Samstag auf dem Hessentag in Rüsselsheim. Gerne stelle ich Ihnen mein Projekt näher vor. Unterstützt werde ich dabei von vier Feldmaikäfer-Engerlingen aus Blaubeuren und eine ganze Menge Messequipment werde ich auch dabei haben. Sie finden mich am Stand von Hessen schafft Wissen/ProLOEWE (Lageplan Punkt 8) auf dem Opelgelände (Geländeplan_Hessentag)

 

Vom Rheingau an den Kaiserstuhl

Ein Teil meiner Arbeit im Forschungsprojekt „CH4ScarabDetect“ besteht darin, mit Maikäfer-Engerlingen befallene Flächen aufzusuchen und die Methanemissionen dieser Engerlinge direkt vor Ort zu bestimmen. Anfang Mai ging es von der im Rheingau gelegenen Hochschule Geisenheim an den Kaiserstuhl. Beide Regionen sind für ihren Weinanbau bekannt. Die Engerlinge des Feldmaikäfers haben zum Leidwesen der Winzer auch Weinreben zum Fressen gern, aber die Weinberge waren diesmal nicht mein Ziel.

Als ich am Morgen losfuhr, ging ich noch davon aus, dass ich den Tag in Sasbach-Leiselheim in einer Baumschule zwischen Nussbäumen verbringen würde. Leiselheim ist der Sitz der Baumschule Schott, die sich auf Nussbäume spezialisiert hat. Die Familie Schott muss sich leider schon seit über 30 Jahren mit dem Thema Fraßschäden durch Maikäferengerlinge befassen, da der Feldmaikäfer einer der Hauptschädlinge am Kaiserstuhl ist.

Leiselheim am Kaiserstuhl

Leiselheim am Kaiserstuhl

Informationstafel der Baumschule Schott

Informationstafel der Baumschule Schott

An der Baumschule wurde ich von Herrn Schott senior mit dem Auto abgeholt. Ohne die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung wäre mein Projekt, so wie ich es mir vorstelle, nicht durchführbar. Die vom Maikäferfraß betroffenen Landnutzer wissen am besten, wo es sich am meisten lohnt, nach Engerlingen zu graben, und natürlich brauche ich die Zustimmung der Eigentümer bevor ich auf einer Fläche graben darf. Außerdem lohnt es sich, den Leuten vor Ort gut zuzuhören, denn einen großen Teil ihrer Beobachtungen der Landschaft direkt vor ihrer Haustür findet man in keinem Lehrbuch oder Fachartikel. Von Herrn Schott habe ich zum Beispiel gelernt, dass Feldmaikäfer-Engerlinge sich in einer Stunde durchaus 40 cm horizontal durch den Boden graben können, und dass auf Äckern Wühlspuren von Wildschweinen auf Engerlinge im Boden hinweisen können, denn Wildschweine fressen gerne Engerlinge.

WIldschweinspuren bei Burkheim am Kaiserstuhl

Wildschweinspuren in der Nähe von Burkheim am Kaiserstuhl

Zu meinem Erstaunen brachte Herr Schott mich zu einer kleinen Anpflanzung von Weihnachtsbäumen in der Nähe von Burkheim, die einem Bekannten von ihm gehört. Weihnachtsbäume standen nicht auf meinem Plan, aber ich grabe da, wo sich die Engerlinge wohlfühlen. Für meine Grabungen markiere ich mit einem Holzrahmen 50 cm x 50 cm große Messflächen, die ich dann bis zu einer Tiefe von 25 – 30 cm aufgrabe. Von jedem ausgegrabenen Engerling werden die Fundtiefe und das Gewicht notiert. In der Weihnachtsbaumanpflanzung gab es bis zu 25 Feldmaikäfer-Engerlinge pro Quadratmeter in verschiedenen Stadien der Larvenentwicklung (Körpergewicht zwischen 0.6 und 2.6 g). Ein ausgewachsener Feldmaikäfer war auch dabei.

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Weihnachtsbaum mit Fraßschäden. Im Hintergrund ein markierter Grabungsplot.

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Bodentemperaturmessung in einer aufgegrabenen Messfläche.

Zur Bestimmung der Methanemissionen der Engerlinge wird jedes ausgegrabene Individuum nach dem Wiegen für eine Stunde in ein großes Reagenzglas gelegt, das luftdicht verschlossen wird. Diese Methode bezeichnen wir als Inkubation und die Verschlusszeit als Inkubationszeit. Während dieser Inkubationszeit sammelt sich das vom Engerling ausgestoßene Methan im Reagenzglas an und am Ende der Stunde wird mit Hilfe einer Spritze eine Luftprobe (25 ml) aus dem Reagenzglas genommen. Später wird im Labor mit Hilfe eines Gaschromatographen die Methankonzentration in dieser Luftprobe bestimmt. Wieviel Methan die Engerlinge in der Weihnachtsbaumplantage an diesem Tag ausgestoßen haben, kann ich Ihnen noch nicht sagen, da mir die Ergebnisse des Gaschromatographen noch nicht vorliegen. Aber von anderen Grabungen weiß ich, dass die Konzentration in diesen Reagenzgläsern durch die Engerlinge innerhalb von einer Stunde auf über 50 ppm ansteigen kann, was weit über der Konzentration von ~1,8 ppm Methan in der uns umgebenden Luft liegt.

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Feldmaikäferengerling direkt unter der Grasnarbe.

Methanmessung

Methanmessung an einem Feldmaikäferengerling.

Der Maikäfer – mal da, mal weg

In diesem Beitrag möchte ich meine Untersuchungsobjekte – die Maikäfer – näher vorstellen. Die zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) gehörenden Maikäfer sind in Europa mit drei Arten vertreten, wobei aber nur zwei in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet und damit für meine Forschung relevant sind: der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani).

Maikäfer sind aufgrund ihrer Größe (2 – 3 cm) und ihres auffälligen Erscheinungsbildes auch von Laien leicht zu identifizieren und haben in Deutschland Kultstatus erreicht. Sie gelten als Frühlingsbote und Glücksbringer. Man kann Maikäfer in Schokoform oder als Plüschtier kaufen. 1993 wurde der Maikäfer von der Deutschen Bundespost sogar auf einer Briefmarke verewigt und wer kennt nicht Herrn Sumsemann aus Peterchens Mondfahrt oder die Maikäfer aus Max und Moritz. Aber haben Sie schon mal einen echten Maikäfer in der freien Natur gesehen?

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Dieses 5 Monate alte Foto eines Waldmaikäfer-Kerlchens (oder –Weibchens, ich weiß es nicht) hat eine ganz besondere Bedeutung für mich. Es ist nämlich der allererste echte ausgewachsene Maikäfer, den ich in meinem Leben gesehen habe. Wie ist das möglich, wo ich mich sogar hauptberuflich mit diesen Tieren beschäftige? Dafür müssen wir uns den Lebenszyklus dieses Käfers und seine Geschichte in Deutschland etwas genauer ansehen.

Maikäfer fliegen zwischen Mai und Juni für etwa sechs Wochen. Alle drei bis vier Jahre kann es zu sogenannten Hauptflugjahren mit Massenschwärmen kommen, die massiven Kahlfraß an Bäumen hinterlassen. Lange Zeit waren Maikäfer in Deutschland weit verbreitet und bis in die 1950er Jahre war es gängige Praxis, die Käfer von den Bäumen zu schütteln und eimerweise einzusammeln. Diese wurden an zentralen Sammelstellen vernichtet, zu Düngemittel verarbeitet, an Haustiere verfüttert oder als Maikäfersuppe serviert. Dieser Kahlfraß ist jedoch nicht der Hauptgrund, aus dem Maikäfer als Schädlinge bekämpft wurden und werden (davon können sich Bäume wieder erholen), sondern es geht hauptsächlich um das, was sie anstellen, wenn man sie nicht mehr sieht.

Der Maikäferflug im Frühjahr dient der Paarung und der anschließenden Eiablage in den Boden durch die Weibchen. Wie die Artnamen schon andeuten, legt der Waldmaikäfer seine Eier im Wald ab (bevorzugt Laubwald- und Mischwälder) und der Feldmaikäfer im Grünland und in Sonderkulturen (Gemüse- und Obstanbau, Weinberge, Baumschulen). Während die ausgewachsenen Käfer nach dem Flug sterben, schlüpfen aus den Eiern weiße Larven, die sogenannten Engerlinge. Diese leben im Allgemeinen für drei (Feldmaikäfer) bis vier Jahre (Waldmaikäfer) im Boden, bevor sie sich verpuppen und als ausgewachsene Käfer wieder aus dem Boden zum Flug kommen. Maikäfer-Engerlinge können um die 5 cm lang und mehr als 2 g schwer werden, wie dieses Exemplar eines Feldmaikäfer-Engerlings zeigt.

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Engerlinge ernähren sich von Pflanzenwurzeln und sind dabei nicht sehr wählerisch. Ein bis drei Engerlinge pro Quadratmeter reichen schon aus, um schlimme Wurzelschäden zu verursachen und z.B. junge Weinstöcke oder Gemüse vollständig zu vernichten. Bäume können soweit geschwächt werden, dass sie anfällig für andere Insekten und Krankheiten werden oder sogar ganz absterben. In stark befallenen Wäldern können bei Grabungen mehr als 50 Engerlinge pro Quadratmeter gefunden werden.

Das Sammeln der Maikäfer zur Verhinderung der Eiablage hatte nie einen wirklich großen Einfluss auf die Maikäferpopulationen. Allerdings schien mit der Entwicklung von DDT und Lindan als Insektengifte und deren massiver Einsatz in Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren das Maikäferproblem endlich gelöst zu sein. In den 1970er Jahren galten die Maikäfer sogar so gut wie ausgestorben, wie Reinhard Mey 1974 in seinem Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“ besang. Daher kennen viele Maikäfer nur aus den Geschichten ihrer Eltern oder Großeltern.

Es konnte allerdings nie wissenschaftlich bewiesen werden, dass wirklich nur der massive Insektengifteinsatz nach dem zweiten Weltkrieg zu  einer Dezimierung der Maikäferpopulationen geführt hat, oder ob auch natürliche Populationsschwankungen zu diesem Einbruch geführt haben. Der drei- bis vierjährige Entwicklungszyklus vom Ei zum Käfer wird nämlich noch von einem anderen Zyklus überlagert, bei dem es alle 20 – 50 Jahre zu extremen Massenentwicklungen von flugfähigen Käfern kommt, wonach die Population erstmal zusammenbricht. Seit etwa 1985 – 1990 vermehren sich die Maikäfer wieder sehr stark in vielen Teilen Deutschlands und Mitteleuropas. In Deutschland kommen sie vor allem im Süden (Baden-Württemberg, Südhessen), in Thüringen und in Mecklenburg-Vorpommern vor.

Die Bekämpfung der versteckt im Boden lebenden Engerlinge stellt insbesondere auf großen Flächen ein Problem dar. In Österreich und der Schweiz wird ein natürlicher Feind des Maikäfers, der Pilz Beauveria brongniartii, gegen Engerlinge eingesetzt. Allerdings ist das in Deutschland nur bei besonders hohem Schädlingsdruck erlaubt und dann auch nur mit einer begrenzt gültigen Notfallzulassung. Aufgrund der fehlenden Zulassung für den Pilz und auch für selektive Bodeninsektizide sind heutzutage Bodenbearbeitungsmaßnahmen zur mechanischen Bekämpfung des Engerlings am sinnvollsten. Wo standörtlich möglich können im Grünland die Engerlinge im Boden auch durch einen hohen Grundwasserspiegel und ein Überschwemmen der Flächen während des Sommers reduziert werden. Am erfolgversprechendsten scheint es aber immer noch zu sein, die Käferweibchen an der Eiablage zu hindern. Auf kleineren Flächen kann dies durch das Auslegen von Bodennetzen während der Hauptflugjahre erreicht werden. Mechanische Maikäferbekämpfung ist aber auf großen Flächen nicht mehr praktikabel und daher ist in besonders starken Käferjahren in manchen Regionen der Einsatz von Pestiziden, die großflächig mit Hubschraubern versprüht werden, erlaubt. Diese Maßnahme führt immer mal wieder zu Kritik von Natur- und Umweltschutzverbänden, da je nach eingesetztem Pestizid nicht nur der Maikäfer geschädigt werden könnte.

Falls Sie mehr über den Maikäfer wissen möchten, finden Sie in der folgenden Linkliste Anregungen zum weiteren Lesen:

Workshop CH4ScarabDetect

Wo immer es möglich ist, versuche ich in meinen Forschungsprojekten Grundlagenforschung und angewandte Forschung zu verbinden. CH4ScarabDetect ist da keine Ausnahme. Daher organisiere ich im März an der Hochschule Geisenheim einen Workshop für Personen, die beruflich in der Maikäferforschung und/oder dem Maikäfermonitoring tätig sind. Ziel des Workshops ist es, das Projekt CH4ScarabDetect detailliert vorzustellen und Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Projekten sowie staatlichen Ämtern auszuloten. Falls Sie Interesse an diesem Workshop haben, können Sie mich gerne kontaktieren.

Programm Workshop CH4ScarabDetect (09. März 2017, Hochschule Geisenheim)

Tunnelgräber

Einige von Ihnen haben bestimmt schon mal Maikäfer fliegen gesehen. Aber haben Sie schon mal eine Maikäferlarve beim Eingraben beobachtet? Wahrscheinlich nicht. Darum hier mal ein kleines Video. Um Ihnen einen Eindruck von der Größe dieser Larven zu geben, im Video sind am linken oberen Bildrand erntereife Möhren zu sehen.

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Wo sind sie bloß?

Mein letzter Blogeintrag liegt schon etwas zurück. In der Zwischenzeit war ich sehr damit beschäftigt Feldmaikäferengerlinge für meinen Feldversuch zu besorgen, was sich als viel schwieriger herausstellte als erwartet. Feldmaikäfer leben drei Jahre im Boden, bevor sie als Käfer an die Erdoberfläche kommen. Während dieser Zeit durchlaufen sie drei verschiedene Larvenstadien und ein Puppenstadium, um sich zum ausgewachsenen Käfer zu entwickeln.

Die derzeit einzige Methode, um Feldmaikäferengerlinge zu finden, ist einen Spaten in die Hand zu nehmen und zu graben. Aber natürlich kann man nicht einfach irgendwo graben. Zuerst musste ich eine Fläche ausfindig machen, die ausreichend stark vom Feldmaikäfer befallen ist, so dass sich das Graben auch lohnt, und wo die Engerlinge sich auch noch nicht verpuppt hatten. Das geschah alles unter einem gewissen Zeitdruck, da Engerlinge eine Winterruhe haben und sich im Herbst bei absinkenden Bodentemperaturen in tiefere Erdschichten zurückziehen. „Tiefer“ kann da durchaus auch mal einen Meter bedeuten. Nachdem endlich eine passende Fläche gefunden war und wir auch die Genehmigung des Besitzers zum Graben hatten, ging es letzte Woche ins Feld. Genauer gesagt in ein Erdbeerfeld. Feldmaikäfer lieben die Wurzeln von Erdbeerpflanzen, was den Landwirt natürlich gar nicht freut, weil seine Erdbeerpflanzen durch den Wurzelfraß absterben. Sein Kommentar war dementsprechend auch: „Sie dürfen so viele Engerlinge ausgraben wie Sie wollen, solange Sie sie nicht wieder zurückbringen.“ Und das haben wir dann getan.

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Ohne die Hilfe meiner Kollegen, die sich auch durch Regen, Kälte, und Matsch nicht vom Graben abhalten ließen, hätte ich nie rechtzeitig genügend Engerlinge für meinen Versuch zusammenbekommen. Letzten Montag habe ich zusammen mit der Kontaktperson gegraben, die mir die Grabungserlaubnis besorgt hat. Zwei Stunden zu zweit und vier weitere Stunden alleine ergaben zwölf Engerlinge. Am Freitag ging es dann nochmal mit fünf Personen ins Erdbeerfeld und in fünf Stunden konnten wir 17 weitere Engerlinge ausgraben. Eine durchaus mühsame Angelegenheit…

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Bodenkühe

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Treibhausgasemissionen aus landwirtschaftlichen Böden messe, ist die häufigste Antwort “Oh, Sie arbeiten mit Kühen.” Beinahe jeder scheint zu wissen, dass Kühe das Treibhausgas Methan (CH4) ausstoßen (was ich sehr gut finde). Allerdings wissen viel weniger Menschen, dass auch Böden eine sehr wichtige Rolle in Bezug auf CH4 spielen. Die folgende Grafik gibt einen kleinen Überblick über CH4 in Böden.

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In Böden wird CH4 von bestimmten Mikroorganismen produziert, den sogenannten Methanogenen. Die Produktion von Methan ist der letzte Schritt beim Abbau von organischem Material unter anoxischen (= sauerstofffreien) Bedingungen. Methanogene wandeln entweder kleine organische Moleküle oder Kohlenstoffdioxid (CO2) zu CH4 um, und sie können dies nur unter anoxischen Bedingungen, da sie sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff (O2) sind. Böden können permanent anoxisch unterhalb des Grundwasserspiegels sein, oder temporär anoxische Zonen oberhalb des Grundwasserspiegels ausbilden, z.B. nach starkem Regen. Der größte Teil des CH4 im Boden wird unterhalb des Grundwasserspiegels im permanent wassergesättigtem Bereich produziert. Daher sind Feuchtgebiete und Reisfelder starke CH4-Quellen auf regionaler sowie globaler Ebene.

Gase diffundieren immer von einem Bereich mit hoher Konzentration zu einem Bereich mit niedriger Konzentration. Im Fall von CH4 bedeutet das, dass es aus der anoxischen Bodenzone in die gut belüftete (= oxische) Bodenzone diffundiert. Die oxische Bodenzone beherbergt eine andere Gruppe von Mikroorganismen, die sogenannten Methanotrophen. Methanotrophe ernähren sich von CH4 und O2 und wandeln diese in CO2 um. Nur CH4, das nicht verzehrt wird, kann den ganzen Weg bis zur Bodenoberfläche und schließlich in die Atmosphäre diffundieren. Eine gut belüftete Bodenschicht von 20 cm Mächtigkeit ist ausreichend, um die CH4-Emissionen aus wassergesättigten Böden komplett zu unterbinden. Methanotrophe können auch CH4 aufnehmen, das aus der Atmosphäre in den Boden diffundiert. Daher können gut belüftete Böden auch bedeutende Senken für atmosphärisches CH4 sein. Wer mehr über den globalen CH4-Kreislauf und CH4 in Böden wissen möchte, dem empfehle ich die nachfolgenden Links: Warum verschwindet Methan im Waldboden?, 5. Bericht des IPCC (auf Englisch)5. Bericht des IPCC (auf Englisch).

Und jetzt komme ich und sage, dass ich CH4-Produktion in gut belüfteten Böden messen werde. Warum sollte das von Bedeutung sein? Da kommen wir wieder auf die Kühe zurück: Methanogene leben sehr gerne im Verdauungstrakt von Kühen, weil es dort anoxisch ist und es mehr als genug organisches Material als Futter gibt. In Böden bedienen sich einige Methanogene des gleichen Tricks, indem sie im Darm von Blatthornkäferlarven leben, wo es völlig irrelevant für sie ist, wie gut belüftet der umgebende Boden ist. Darum nenne ich diese Käferlarven „Bodenkühe“!

Es gibt über 30000 Blatthornkäferarten und die Anzahl von Larven in Böden kann sehr hoch sein. Daher könnten Blatthornkäferlarven eine sehr wichtige CH4-Quelle sein. Ich sage „könnte“, denn bisher hat es noch keiner im Feld gemessen. Ich beschäftige mich jetzt schon seit fast 10 Jahren mit CH4 in Böden und ich habe erst letztes Jahr gelernt, dass Blatthornkäferlarven kleine „Bodenkühe“ sind.

In meinem Projekt “CH4ScarabDetect” habe ich mir den Feldmaikäfer und den Waldmaikäfer als Untersuchungsobjekte ausgewählt, um erste Eindrücke über die Bedeutung von Blatthornkäferlarven als potenzielle CH4-Quelle im Boden zu gewinnen. Warum ich gerade diese beiden Arten ausgewählt habe, wird Thema meines nächsten Blogeintrags sein. Als kleine Einstimmung hier schon mal ein Foto einer Waldmaikäferlarve.

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Willkommen zu einem neuen Wissenschaftsblog!

Das Anfertigen wissenschaftlicher Manuskripte für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in Fachzeitschriften ist wichtiger Bestandteil des Forscherlebens. Neues Wissen kann nur entstehen, wenn Forschungsergebnisse sichtbar sind und in einen größeren Kontext gesetzt werden können. Für den Forscher selber sind wissenschaftliche Publikationen wichtig, um die eigene wissenschaftliche Reputation aufzubauen, mit anderen Forschern im selben Fachgebiet in Kontakt zu kommen, und für die Einwerbung von neuen Forschungsgeldern. Allerdings sind Veröffentlichungen in Fachzeitschriften auch mit einigen Nachteilen verbunden. Erstens dauert der Veröffentlichungsprozess sehr oft mehrere Monate, zweitens sind publizierte Fachartikel nicht unbedingt für jeden interessierten Leser zugänglich aufgrund von Bezahlschranken, und drittens sind Fachartikel häufig für Nicht-Experten nicht verständlich.

Das Schlagwort für die Aufbereitung wissenschaftlicher Ergebnisse für ein breiteres Publikum ist Öffentlichkeitsarbeit. Als Forscher sind wir dazu verpflichtet, dem Steuerzahler und privaten Fördereinrichtungen zu erklären, wozu wir ihr Geld verwenden und warum das für die Gesellschaft von Bedeutung ist. Für mich als Ökologin ist es wichtig, den Menschen die komplexen Vorgänge in Ökosystemen verständlicher zu machen und aufzuzeigen, wie menschliches Handeln Ökosysteme verändern kann. Manchmal zeige ich den Leuten auch einfach nur die Schönheit der Natur. Menschen können nur etwas wertschätzen, dass sie auch kennen und verstehen.

Heutzutage ist es oftmals verpflichtend, in Fördermittelanträgen eine (überzeugende) Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit zu entwerfen. Ein Beispiel hierfür sind Anträge für das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation – Horizon 2020. Wissenschaftler können unzählige Ratgeber zum Thema Öffentlichkeitsarbeit im Internet finden, zum Beispiel diesen hier. Ein gutes Werkzeug, um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, ist ein Wissenschaftsblog – vorausgesetzt, der Blogger hat ein Talent fürs Schreiben. Ein Blog bietet die Möglichkeit, mit Menschen unabhängig von Ort und Tageszeit zu kommunizieren.

Ich lese sehr gerne gute Wissenschaftsblogs, aber bisher habe ich mich noch nicht getraut, selber einen ins Netz zu stellen. Allerdings erhalte ich seit kurzem Fördermittel aus Horizon 2020. In meinem Fördermittelantrag habe ich geschrieben, dass ich über mein vorgeschlagenes Projekt „CH4ScarabDetect“ bloggen werde, sollte ich das Projekt bewilligt bekommen. Und hier ist er also: mein erster Blogeintrag!

Auf dieser Seite werden Sie ungefähr alle zwei Wochen neue Einblicke in das Projekt „CH4ScarabDetect“ erhalten. In meinem nächsten Blogeintrag werde ich Ihnen meine neuen Forschungsobjekte vorstellen: Käferlarven (Spitzname: Bodenkühe – die Geschichte hinter dem Spitznamen erfahren Sie in dem Blogeintrag!). Fürs Erste finden Sie hier eine Übersicht über das Projekt. Derzeit noch komplett auf Englisch, aber deutschsprachiges Informationsmaterial wird in naher Zukunft auch zur Verfügung stehen.

Ich hoffe, Sie finden diesen Blog nützlich (oder wenigstens unterhaltsam) und ich freue mich über Fragen, Kommentare oder sonstiges Feedback von Ihnen.