Ernsthaft? Ernsthaft!

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jemand fragt, ob Sie sich mal Stimmen von Maikäferlarven anhören möchten? Mit genau dieser Frage habe ich letzte Woche Besucher beim Hessentag in Rüsselsheim angesprochen. Ich hatte dort die Möglichkeit zusammen mit vier meiner Feldmaikäferengerlinge, mein Projekt CH4ScarabDetect am Stand von ProLoewe im Rahmen des Schwerpunktes FACE2FACE den Hessentagsbesuchern zu präsentieren.

FACE2Face-Stand bei ProLoewe

Meine kleine Projekt-Präsentation auf dem Hessentag, …

Die Reaktion der Leute auf meine Frage verlief im Großen und Ganzen immer nach dem gleichen Schema. Erst erkundigte man sich, ob man die Frage richtig verstanden hatte. Dann ließ man sich versichern, dass das ganze kein Scherz ist („Sie wollen mich jetzt nicht veräppeln, oder?) und wer dann noch Interesse hatte, der kam auch zu meinem Stand und setzte sich die Kopfhörer auf.

Ansturm_FACE2FACE_Dr_Görres

…wo es zwischenzeitlich auch mal eng werden konnte.

Die Lautäußerungen von Engerlingen sind in keiner Weise mit den Stimmen vergleichbar wie man sie von Säugetieren kennt. Aber Engerlinge sind in der Lage absichtlich Laute zur Kommunikation im Boden von sich zu geben. Der Fachausdruck dafür ist Stridulation. Bei der Stridulation werden zwei bewegliche Körperteile gegeneinander gerieben, wodurch Laute erzeugt werden. Bei den Maikäferengerlingen werden die Mundwerkzeuge, die Mandibeln, gegeneinander gerieben. Man kann also sagen, sie unterhalten sich untereinander durch Zähne- und Kieferknirschen. Davon überzeugte sich unter anderem auch der hessische Kultusminister Alexander Lorz.

Kultusminister Lorz Hessentag 2017

Besuch des Kultusministers am ProLoewe-Stand.

Innerhalb des letzten Jahres habe ich schon unzählige Audioaufnahmen von Engerlingen im Boden gesammelt (dafür steckt man einfach ein Mikrofon in den Boden), aber ich habe keine Ahnung was die Engerlinge mit ihren Lauten bezwecken wollen. Für mich dienen die Audio-Aufnahmen derzeit in erster Linie dazu eine Methode zu entwickeln, um die Engerlinge im Boden einfacher zu finden, damit ich anschließend ihre Methanemissionen bestimmen kann. Wenn ich an den Punkt angekommen war, an dem ich den Besuchern erzählte, dass Engerlinge Methan genauso produzieren und abgeben können wie Kühe, kam meistens der zweite ungläubige Blick („Ernsthaft? Wie kommt man auf die Idee, sowas zu erforschen?“) Tja, auf diese Frage hatte ich nicht wirklich eine Antwort, aber es war definitiv keine Schnapsidee. Davon überzeugte sich auch die hessische Milchkönigin.

Milchkönigin Hessentag

Besuch der hessischen Milchkönigin, Sarah I.

Engerlinglauschen am Hessentag

Wenn Sie mal Engerlinge beim Fressen beobachten und belauschen möchten, oder mehr über Methanemissionen und Bodengase im Allgemeinen erfahren möchten, besuchen Sie mich morgen oder am Samstag auf dem Hessentag in Rüsselsheim. Gerne stelle ich Ihnen mein Projekt näher vor. Unterstützt werde ich dabei von vier Feldmaikäfer-Engerlingen aus Blaubeuren und eine ganze Menge Messequipment werde ich auch dabei haben. Sie finden mich am Stand von Hessen schafft Wissen/ProLOEWE (Lageplan Punkt 8) auf dem Opelgelände (Geländeplan_Hessentag)

 

Snacking out of season

One objective of my research project „CH4ScarabDetect“ is to quantify directly in the field methane (CH4) emissions of cockchafer larvae at cockchafer infested sites. In May, I visited the Kaiserstuhl – a region in southwest Germany famous for its wine production. To the dismay of the wine-growers, cockchafer larvae like to feed on vine, but I didn’t plan to visit any vineyards that day.

When I started my journey in the morning, I thought I would spend my day amongst walnut trees in a tree nursery in a small town called Sasbach-Leiselheim. There is a family-owned tree nursery and the family Schott already has to deal with the common cockchafer (Melolontha melolontha) as a pest insect for over 30 years. The common cockchafer is one of the main pest insects at the Kaiserstuhl.

Leiselheim am Kaiserstuhl

Leiselheim

To my surprise, Mr. Schott senior drove me to  a small Christmas tree plantation near Burkheim which belongs to another landowner. Christmas trees were never on my list of vegetation types I wanted to visit during my research project, but if the cockchafers like them, I like them as well.

CH4ScarabDetect

Christmas trees which have been damaged by cockchafers.

For my soil excavations at cockchafer infested sites, I start with marking 50 cm x 50 cm large measurement plots with the help of a wooden frame. Then, I dig up the soil in these plots to a depth of about 25 – 30 cm. For each cockchafer larva that I find during digging I write down at which depth I found it and I measure its weight. At the Christmas tree plantation, I found up to 25 larvae per m² at different stages of larval development (weights ranging between 0.6 and 2.6 g). A fully-grown adult beetle was also among my findings.

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Excavated measurement plot (50 cm x 50 cm, 25 cm deep).

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A larva of the Common Cockchafer right below the soil surface.

To determine the CH4 emissions of the excavated larvae, each individual is placed inside a large glass test tube which is then sealed air-tight for an hour. We refer to this method as incubation and the time the test tube is closed as incubation time. During the incubation time, all CH4 which is emitted by the larva is collected in the test tube. After an hour, a small air sample (25 ml) is extracted from the test tube with a syringe. The air sample will be stored in a small glass vial and latter analysed with a gas chromatograph to determine its CH4 concentration. I don’t know yet how much CH4 the larvae emitted at the Christmas tree plantation on that day because the data of the gas chromatograph still has to be analyzed. However from other sites, I know that the CH4 concentration inside the glass test tubes can increase to more than 50 ppm within an hour which is far above the atmospheric concentration of CH4 in the air surrounding us, which is about 1.8 ppm.

Methanmessung

Cockchafer larva in a glass test tube for a methane measurement.