Vom Rheingau an den Kaiserstuhl

Ein Teil meiner Arbeit im Forschungsprojekt „CH4ScarabDetect“ besteht darin, mit Maikäfer-Engerlingen befallene Flächen aufzusuchen und die Methanemissionen dieser Engerlinge direkt vor Ort zu bestimmen. Anfang Mai ging es von der im Rheingau gelegenen Hochschule Geisenheim an den Kaiserstuhl. Beide Regionen sind für ihren Weinanbau bekannt. Die Engerlinge des Feldmaikäfers haben zum Leidwesen der Winzer auch Weinreben zum Fressen gern, aber die Weinberge waren diesmal nicht mein Ziel.

Als ich am Morgen losfuhr, ging ich noch davon aus, dass ich den Tag in Sasbach-Leiselheim in einer Baumschule zwischen Nussbäumen verbringen würde. Leiselheim ist der Sitz der Baumschule Schott, die sich auf Nussbäume spezialisiert hat. Die Familie Schott muss sich leider schon seit über 30 Jahren mit dem Thema Fraßschäden durch Maikäferengerlinge befassen, da der Feldmaikäfer einer der Hauptschädlinge am Kaiserstuhl ist.

Leiselheim am Kaiserstuhl

Leiselheim am Kaiserstuhl

Informationstafel der Baumschule Schott

Informationstafel der Baumschule Schott

An der Baumschule wurde ich von Herrn Schott senior mit dem Auto abgeholt. Ohne die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung wäre mein Projekt, so wie ich es mir vorstelle, nicht durchführbar. Die vom Maikäferfraß betroffenen Landnutzer wissen am besten, wo es sich am meisten lohnt, nach Engerlingen zu graben, und natürlich brauche ich die Zustimmung der Eigentümer bevor ich auf einer Fläche graben darf. Außerdem lohnt es sich, den Leuten vor Ort gut zuzuhören, denn einen großen Teil ihrer Beobachtungen der Landschaft direkt vor ihrer Haustür findet man in keinem Lehrbuch oder Fachartikel. Von Herrn Schott habe ich zum Beispiel gelernt, dass Feldmaikäfer-Engerlinge sich in einer Stunde durchaus 40 cm horizontal durch den Boden graben können, und dass auf Äckern Wühlspuren von Wildschweinen auf Engerlinge im Boden hinweisen können, denn Wildschweine fressen gerne Engerlinge.

WIldschweinspuren bei Burkheim am Kaiserstuhl

Wildschweinspuren in der Nähe von Burkheim am Kaiserstuhl

Zu meinem Erstaunen brachte Herr Schott mich zu einer kleinen Anpflanzung von Weihnachtsbäumen in der Nähe von Burkheim, die einem Bekannten von ihm gehört. Weihnachtsbäume standen nicht auf meinem Plan, aber ich grabe da, wo sich die Engerlinge wohlfühlen. Für meine Grabungen markiere ich mit einem Holzrahmen 50 cm x 50 cm große Messflächen, die ich dann bis zu einer Tiefe von 25 – 30 cm aufgrabe. Von jedem ausgegrabenen Engerling werden die Fundtiefe und das Gewicht notiert. In der Weihnachtsbaumanpflanzung gab es bis zu 25 Feldmaikäfer-Engerlinge pro Quadratmeter in verschiedenen Stadien der Larvenentwicklung (Körpergewicht zwischen 0.6 und 2.6 g). Ein ausgewachsener Feldmaikäfer war auch dabei.

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Weihnachtsbaum mit Fraßschäden. Im Hintergrund ein markierter Grabungsplot.

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Bodentemperaturmessung in einer aufgegrabenen Messfläche.

Zur Bestimmung der Methanemissionen der Engerlinge wird jedes ausgegrabene Individuum nach dem Wiegen für eine Stunde in ein großes Reagenzglas gelegt, das luftdicht verschlossen wird. Diese Methode bezeichnen wir als Inkubation und die Verschlusszeit als Inkubationszeit. Während dieser Inkubationszeit sammelt sich das vom Engerling ausgestoßene Methan im Reagenzglas an und am Ende der Stunde wird mit Hilfe einer Spritze eine Luftprobe (25 ml) aus dem Reagenzglas genommen. Später wird im Labor mit Hilfe eines Gaschromatographen die Methankonzentration in dieser Luftprobe bestimmt. Wieviel Methan die Engerlinge in der Weihnachtsbaumplantage an diesem Tag ausgestoßen haben, kann ich Ihnen noch nicht sagen, da mir die Ergebnisse des Gaschromatographen noch nicht vorliegen. Aber von anderen Grabungen weiß ich, dass die Konzentration in diesen Reagenzgläsern durch die Engerlinge innerhalb von einer Stunde auf über 50 ppm ansteigen kann, was weit über der Konzentration von ~1,8 ppm Methan in der uns umgebenden Luft liegt.

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Feldmaikäferengerling direkt unter der Grasnarbe.

Methanmessung

Methanmessung an einem Feldmaikäferengerling.

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